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Verfahren & Strategien

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Ausgewählte Therapieverfahren und Strategien

    We can´t solve problems by using the same kind of thinking we used when we created them.  (Albert Einstein)

KVT - Kognitive Verhaltenstherapie:

  • Sie besteht seit den 60er Jahren. Sie wurde mitbegründet von A. T. Beck, und bildet eine Grundlage in der verhaltenstherapeutischen Arbeit. Die KVT steht für die Bearbeitung vieler psychischer Störungen (Depression, Ängste, Zwänge, usw.).
  • In der KVT geht es darum, die Selbstbeobachtung (Introspektionsfähigkeit) in Bezug auf gedankliche Verzerrungen auszubilden, die eine Klientin und ein Klient brauchen, um z. B. negativem (depressivem) Denken aus eigener Kraft entgegensteuern zu können. Anhaftende ungünstige Denkmuster können das Leben stark einschränken, ohne dass es wirklich bemerkt wird, da sie in der Regel von Klienten-/innen als unabänderliche Tatsachen und zu sich gehörig erlebt werden.
  • Mit Hilfe kognitiv-behavioraler Strategien wie beispielsweise dem "sokratischen Dialog" können ungünstige Verarbeitungsmuster vom Klient*in identifiziert und nachhaltig korrigiert werden.

CPT - Cognitve Processing Therapy:

  • Im Therapieansatz der Cognitive Processing Therapie zur Behandlung der (komplexen) Posttraumatischen Belastungsstörung (CPT), begründet von Patricia Resick (Resick et al. 2007; König et al. 2012) wird intensiv an den Bewertungen des Traumas und den typischen Denkblockaden (z.B.: "Ich bin irreversibel beschädigt") gearbeitet, die auch als Stuck-Points („Hängepunkte“) bezeichnet werden, und die in der CPT analog zu den kognitiven Strategien in der KVT gut korrigiert werden können.
  • Die Klientent*innen lernen in der CPT außerdem zu unterscheiden, ob sich ihre Vermeidungsmuster auf „natürliche“ traumatisch bedingte Emotionen (z. B. Angst, Wut oder Ekel) beziehen, oder vielmehr auf sog. sekundäre, „gemachte“ Emotionen (z. B. sich schämen für die eigene Angst oder sich schuldig fühlen für den eigenen Ärger) beziehen.
  • In der CPT lernen die Klient*innen, ihre natürlichen traumatisch bedingten Gefühle zu tolerieren, und die Stuck-Points für sich wirksam abzuändern.

Tf-KVT - Trauma fokussierte kognitive Therapie:

  • Die Trauma-fokussierte kognitive Verhaltenstherapie: zu diesem Verfahrensansatz gehört zum Beispiel das  Behandlungstraining für Kinder und Jugendliche, entwickelt von Cohen u. Mannarino, 2009. Das Tf-KVT-Behandlungsprogramm für Kinder und Jugendliche ist ein psychosozialer Mehr-Komponenten-Ansatz, der integral Aspekte aus der Bindungstheorie, zum  Ressourcenaufbau, aus systemischen Ansätzen enthält. Begleitend zur Kindertherapie findet durchgängig eine begleitende therapeutische Arbeit mit den Eltern und nahestehenden Bezugspersonen statt. 
  • In die Tf-KV fließen Kenntnisse zur Entwicklungstraumatisierung bei Kindern und Jugendlichen ein. Das Trainingsprogramm beinhaltet verschiedene Therapiephasen. Die Eltern / Bezugspersonen werden parallel einbezogen und nehmen zu jeder Trainingseinheit an einer gemeinsamen Sitzung mit dem Kind oder Jugendlichen teil.
  • Die Tf-KVT umfasst 4 Therapiephasen, die modular aufeinander aufbauen. Sie lassen sich auf die individuellen Probleme und Bedürfnisse des Kindes und des Jugendlichen und seine Familie oder Bezugspersonen flexibel anwenden.
  • Die Tf-KV ist bezogen auf die einmaligen Bedürfnisse des Kindes und seiner Familie flexibel einsetzbar sind.
    Die Therapiephasen:
    1. Phase Psychoedukation (Aufklärung und Vermittlung),
    2. Phase Stabilisierung: Vermittlung und Einübung von Fertigkeiten,
    3.
    Phase Stress- und Trauma-Arbeit: mit Kind-/ und Bezugspersonen;

    4. Phase Integration: Sicherheit, Konsolidierung.

DBT - Dialektisch-Behaviorale Therapie:

  • Die DBT wurde von der klinischen Forscherin und Psychologin Marsha M. Linehan (2015) entwickelt. Beim Therapieansatz der Dialektisch Behavioralen Therapie stehen Interventionen zur emotionalen Dysregulation und zum Kriseninmanagement (Bohus u. Wolf 2009) im Mittelpunkt - und werden begleitet von Achtsamkeitsstrategien. Die DBT wurde konzipiert für Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung, und ist seitdem für verschiedene Altersgruppen, zum Beispiel für Jugendliche, und für verschiedene komorbide Störungen wie zum Beispiel für Essstörungen und Posttraumatische Belastungsstörungen modifiziert und weiterentwickelt worden.
  • Den Klient*innen werden unterschiedliche Fertigkeiten (Skills) vermittelt. Die DBT-Skills sind in mehrere modulare Gruppen unterteilt: Umgang mit Gefühlen, Achtsamkeit, Kriseninterventionen, zwischenmenschliche Fertigkeiten und Selbstwert. Die Module sind in Untergruppen unterteilt. Zum Beispiel gehören zu dem Modul Umgang mit Gefühlen (Linehan 2015) Arbeitsblätter wie „Veränderung schwieriger Emotionen“ und  „Management extremer Emotionen“, und zu ihnen gehören die Übungsblätter „Entgegengesetzt zu schwierigen Gefühlen handeln“ und „Achtsamkeit für gegenwärtige Emotionen“.
  • DBT wird optimalerweise gleichzeitig in der Einzeltherapie und parallel im Skills-Gruppentraining durchgeführt. Das DBT-Behandlungsprogramm mit seinen Weiterentwicklungen gehört zu den am meisten untersuchten Therapieverfahren. 

MBSR - MBCT:

  • MBSR: Achtsamkeitspraxis zur Stressbewältigung (Kabat-Zinn 2009) und MBCT: Rückfallprophylaxe der Depression (Teasdale, Williams u. Segal 2002):
  • Beide Ansätze der Achtsamkeitspraxis sind sich sehr ähnlich. Sie bieten gleichermaßen eine gute Möglichkeit, einen insgesamt selbstfürsorglicheren Umgang mit sich selbst zu praktizieren, und ein Bewusstsein für die Präsenz des gegenwärtigen Augenblicks zu erlangen.
  • Die Achtsamkeitspraxis  (MBSR/MBCT) hat in den letzten Jahrzehnten Eingang in die Psychotherapie gefunden. Sie kann gut in die Einzeltherapie integriert  werden. Ferner kann die Achtsamkeitspraxis intensiv in einem 8-wöchigen Achtsamkeitstraining (Achtsamkeitspraxis) in der Gruppe praktiziert und zu Hause eingeübt werden. In diesem Trainingsprogramm kommen in jeder Sitzung bestimmte Achtsamkeitsübungen zum Einsatz, beginnend mit dem Body-Scan, gefolgt von achtsamem Yoga, achtsamem Gehen, dem 3-Minuten-Atemraum und der Atemmeditation. Ferner werden informelle Übungen für den Alltag, wie das achtsame Duschen oder das achtsame Essen, in den Sitzungen praktisch vermittelt - dies auch mit Bezug auf die Stresssituationen im Alltag.   
  • Daneben können aber auch in der Einzeltherapie Achtsamkeitsübungen als "Add-on"-Interventionsmaßnahme angewandt werden.   
  • Die gesundheitsfördernde Wirkung der Achtsamkeit ist vielfach untersucht (Bessel van der Kolk, 2016) worden.  Achtsamkeitsübungen beruhigen das Nervensystem und senken die Übererregung. Unangenehme Empfindungen können so toleriert und verarbeitet werden.

SE - Somatic Experiencing:

  • Somatic Experiencing wurde von dem Psychologen und Physiker Peter Levine (2010) begründet. SE ist ein auf seine Wirksamkeit überprüfter ressourcenbasierter Ansatz zur Lösung von anhaltendem Stress, der im autonomen Nervensystem (ANS) gespeichert ist. SE ist eine neurophysiologisch-körpertherapeutische Methode (Levine 2009) zur Behandlung der im Körper gespeicherten traumatischen Erlebnisse, die zusammen mit dem polyvagalen Arbeitskonzept von Stephen W. Porges (2010) in der  Einzeltherapie und in der Gruppentherapie erfolgreich eingesetzt werden kann.
  • Das Ziel von SE ist es, die natürliche Selbstregulation im Gehirn und im autonomen Nervensystem (ANS) wieder herzustellen. Es gilt dabei, die blockierten sensorischen Erfahrungen und motorisch unterdrückten Handlungsimpulse auf der Körperebene zu aktivieren und einer resisourcenbasierten Körpererfahrung zugänglich zu machen.  
  • Die SE-Methode ist dadurch bekannt, dass sie bei anhaltendem Stresserleben und nach traumatischen Lebensereignissen (Unfall, Überfall, ...) erfolgreich durchgeführt werden kann. Sie wird aber auch für die anderen im Körper widerhallenden psycho-bio-sozialen Probleme (Depression, somatoforme Syndrome, usw.) wirksam eingesetzt.
  • SE wird zudem erfolgreich bei frühen Bindungs- und Entwicklungstraumata von Babys, Kindern und Jugendlichen angewandt. 
  • Die SE- Kernstrategien "Pendulation", "Titration", und "Entladung" ermöglichen eine bewußt dosierte und sanfte therapeutische Vorgehensweise. Das ANS kann so ressourcenbasiert ausgerichtet werden. Die Person erfährt, dass sich ihr Nervensystem nach und nach wieder reagibel auf unterschiedliche situativen Bedarfe einstellt ("flüchten", "kämpfen"). Sie reagiert auf ängstigende Auslöser nicht mehr automatisch mit hoher Aktivierung ("Panik"), noch fällt sie in einen "shut down" und verharrt in einem körperlichen  Erstarrungsmodus ("Dissoziation", "Immobilität").
  • Die Person lernt, dass sie auf ihr Belastungs-und Stresserleben körperlich einwirken kann. Dadurch wird ihr ein positiver Zugang zum eigenen Körper erfahrbar. Es kann sich ein neues Vertrauen in die eigenen Körperempfindungen einstellen, das unmittelbar zu einem kohärenten Erleben von Handlungsfähigkeit und der Bevollmächtigung führt. Diese korrigierenden Selbstwirksamkeitserfahrungen auf der körperlichen Ebene lassen sich dann auf belastende Körpererempfindungen in Stresssituationen übertragen, auch diese tolerieren und für sich ausregulieren zu können. 
  • Mit der Einbeziehung der SE-Methode in die Psychotherapie werden der Person neue wirksame Ressourcen bereitgestellt, wodurch der gesamte Therapie- und Gesundungsprozess erfolgreich begünstigt und ausgeweitet werden kann. 

ACT - Acceptance and Commitment Therapie: 

  • Die Akzeptanz und Commitment Therapie arbeitet prozessbasiert hinsichtlich unterschiedlicher Problemlagen und Störungen. ACT wurde von Steven Hayes begründet (Hayes u. Smith 2005), und stellt eine neuere Psychotherapieform dar, die ähnlich wie die DBT zur dritten Welle der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Therapien gehört und um humanistische Konzepte erweitert worden ist.
  • ACT zielt darauf ab, dass wir unsere  psychologische Flexibilität erweitern und  unsere Lebensführung aufgrund von Ängsten nicht einschränken.
  • ACT basiert auf der Annahme, dass Akzeptanz und Achtsamkeit adaptivere Antworten auf Widrigkeiten des Leben bereit halten und damit negatives Denken  und Haltungen, schwierige Gefühle und körperliche Missempfindungen, die oft mit Resignation oder Überlastung zu tun haben, überwinden können.
  • ACT ist empirisch begründet und wurde in den zurückliegenden Jahrzehnten zu einer etablierten Therapieform mit Anleihen zur Positiven Psychologie.
  • ACT motiviert zu Veränderungsschritten in Richtung kognitiver Dezentrierung und psychologischer Flexibilität.
  • ACT orientiert sich an dem Ziel einer gesunden und authentischen Lebensführung, die sich an den Werten und Bedürfnissen der Klientinnen und Klienten ausrichtet.

EMDR - Eye Movement and Desensitization and Reprocessing (Auszüge Wikipedia):

  • EMDR ist eine von der US-amerikanischen Literaturwissenschaftlerin und Psychologin Francine Shapiro in den USA entwickelte Behandlungsmethode der PTBS [und bei der Depression und bei Ängsten]. 
  • EMDR ist eine traumafokussierte Intervention, die nach einem strukturierten Fokussierungsprozess in einen assoziativen Prozess der Verarbeitung mündet. Dabei werden beide Augen durch den Therapeuten bzw. die Therapeutin mit der Hand geführten Augenbewegungen begleitet.
  • Zum Wirkmechanismus der EMDR-Therapie gibt es eine Vielzahl von Untersuchungen und Theorien. So wurde angenommen, dass durch die bilaterale Stimulation mittels bestimmter Augenbewegungen (oder auch akustischer oder taktiler Reize), eine Synchronisation unter den Gehirnhälften bzw. eine innere Reorganisation der Traumaerfahrung ermöglicht wird.[2] Ferner wird erklärend Bezug genommen auf die REM-Phasen während des Schlafes, in denen starke Augenbewegungen stattfinden und dies relevant für einen erhöhten Verarbeitungsmodus des im Alltag Erlebten sein könnte. Einige Untersuchungen weisen auch auf eine Einbeziehung des Arbeitsgedächtnisses während des EMDR Prozesses hin.[3]   

Schematherapie (Auszüge Wikipedia): 

  • Die Schematherapie ist eine Form der Psychotherapie. Sie zählt zur sogenannten dritten Welle der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Therapien und erweitert die Methoden der kognitiven Therapie um Elemente psychodynamischer Konzepte und anderer etablierter psychologischer Theorien und Therapieverfahren.
  • Sie wurde von Jeffrey E. Young aus der Kognitiven Therapie für Persönlichkeitsstörungen weiterentwickelt und basiert auf der K-VT nach A. Beck. Die Schematherapie geht davon aus, dass es bestimmte erlernte Grundschemata gibt, die darauf abzielen, die seelischen Grundbedürfnisse zu befriedigen und hierzu das Verhalten von Menschen steuern.
  • Die Schematherapie ist ein Erklärungs- und Behandlungsmodell für Patienten insbesondere mit schweren Persönlichkeitsstörungen. Sie geht davon aus, dass in der Kindheit und im Verlauf des Lebens Schemata erworben werden, die weitgesteckte Muster aus ErinnerungenEmotionenKognitionen und Körperempfindungen beinhalten und das Verhalten steuern. Diese können mit der eigenen Persönlichkeit unvereinbar sein, ihr entgegenstehen und hinderlich sein. 
  • Young bezeichnet solche als früh erworbene hinderliche Schemata.
  • Der Klient erarbeitet sich innerhalb der Therapie Wege, eine „innere Distanz“ zu seinen eingefahrenen Verhaltensmustern und hinderlichen Schemata herzustellen.  Erlernte Automatismen sollen durch zielgerichtete, bewusste und angemessene Handlungen ersetzt werden, die gesunden und erwachsenen Schema-Modi der Klient*innen entsprechen.